Das mit den vier Saiten.

Es ist an der Zeit, daß derjenige, der einerseits zuletzt als eine Art Throninhaber oder wenigstens als Thron-Be-Sitzer geschildert oder an anderer Stelle gar als "Meister" gehandelt wurde, sich andererseits aber aufgrund seines fehlenden Internet-Anschlusses bisher die unschöne, zweideutige und Hau-mich-tot-Bezeichnung "Offliner" - in der Sache zu Recht - gefallen lassen mußte, endlich das Wort ergreift! Dies um so mehr, als es heute um ein, wie soll ich sagen, prekäres Thema geht, sind doch gewisse Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten zu berücksichtigen.

Ich will, anders als unser Webmaster, den es in der Sache sozusagen angeht, und anders als es sonst meine Art ist, ohne Umschweife zum Punkt kommen: Es geht um das Instrument mit den vier Saiten und die Personen, die dieses Instrument bedienen - den Webmaster alias Cheesy ausdrücklich miteinbezogen!

Zunächst zum objektiven Befund: Dem aufmerksamen Leser dieser Website wird nicht entgangen sein, daß unsere Formation, will heißen: die Band, instrumentell gleichsam von Gitarren dominiert wird. Es sind, manch einer wird es erst nach sorgfältigem Studium der Bilder neueren Datums in der Galeria glauben, vier an der Zahl! (Hier ist gleichsam am Rande rein vorsorglich und trotzdem mit aller Deutlichkeit einem Mißverständnis vorzubeugen: Wir bewegen uns damit in der würdigen Tradition der Gipsy Kings, denen wir im übrigen auch musikalisch durchaus nacheifern, und der Los Romeros, so daß irgendwelche Vergleiche mit Mandolinenvereinen o.ä. vollkommen deplaziert sind und gnadenlos am Tresen geahndet werden!!!) Aber zurück zur Band: Neben und mit diesen vier Gitarren ist der Harry mit von der Partie, der mit seinen "Trömmelcher" und "Rasselcher" ohne Zweifel einen Sonderstatus genießt. Und dann gibt´s da noch - last but not least! - den Cheesy-Man, der halt Bass spielt.

Nun hat die Gitarre bekanntlich sechs Saiten, der Bass hingegen nur vier. Da haben wir´s! Jetzt fängt´s nämlich schon an verfänglich zu werden. "Was heißt denn hier: nur?!?" werden sogleich die sachlich und/oder persönlich Betroffenen aufschreien. Es gibt schließlich auch andere Bereiche, in denen man bzw. frau hartnäckig behauptet, daß metrische und damit quantitative Kriterien in qualitativer überhaupt keine Geige, in concreto wohl eher: Bass, spielten.

Ob dem so ist, soll an dieser Stelle nicht näher erörtert werden. Insbesondere soll hier aus evidenten Datenschutzgründen offen gelassen werden, ob der Verfasser dieser Zeilen insoweit "sachlich und/oder persönlich betroffen" ist. Wir müssen uns vielmehr weiter an die Tatsachen halten, und die sprechen ihre eigene Sprache! So ist es schlicht ein Faktum, daß bei Bassisten eine ausgesprochene Neigung zur Selbstüberschätzung zu verzeichnen ist. Wie sonst könnte es beim Soundcheck, sei es auf einer Probe, sei es bei einem Gig, immer wieder zu Sätzen kommt wie: "Der Bass kann gar nicht zu laut sein!"

Aber auch sonstige Eigentümlichkeiten sind bei dieser Genre Musiker zu verzeichnen, die mehr oder minder klar darauf schließen lassen, daß der metrische/quantitative Gesichtspunkt doch tief drinnen seine Spuren hinterläßt. Was ist beispielsweise davon zu halten, wenn - ich betone, nachdem die Instrumentenbaukunst eine so geniale Idee wie Bundstäbchen hervorgebracht hat, um die Orientierung auf dem Instrument zu erleichtern und ein im wahrsten Sinne des Wortes "bundreines" Spiel zu ermöglichen - Bassisten auf einmal meinen, einen "Fretless" spielen zu müssen?!? Oder: Wie ist es tiefenpsychologisch zu werten, wenn Bassisten wie Marcus Miller oder Mark King, um nur einige bekannte Namen zu nennen, dazu übergehen, auf ihrem Bass einerseits mit dem Daumen rumzuhauen und andererseits die Saiten in einer Gegenbewegung fast kaputt zu reißen ("Slappen" nennt man das heuzutage), statt wie bisher die Saiten zu zupfen (wenngleich letzteres für das heutige Ohr irgendwie dämlich klingt)?!?

Hier ließen sich tausend weitere Beispiel anführen! Dies zu unternehmen würde indessen die ohnehin schon strapazierte Geduld des geneigten Lesers sprengen. Es erscheint aber auch nicht erforderlich, denn der Befund bliebe in der Sache der gleiche. Quod erat demonstrandum. Genau das habe ich von Anfang an gesagt.

Stellt sich abschließend die Frage: Was tun? Sollen wir die ganze Bande jetzt in die Wüste oder in die Klapse schicken oder - im günstigsten Fall - ihnen die Instrumente entreißen und ein Spielverbot auferlegen?!? Mitnichten. Die Frage muß nämlich pragmatisch beantwortet werden. Eine solchermaßen pragmatische Antwort kann nur lauten: Wir müssen trotz allem mit ihnen leben! Denn wir, die wir nun mal - rein instrumentell betrachtet, versteht sich - mehr haben, brauchen sie, sonst wandeln wir musikalisch auf dünnem Eis. Denn wollen wir nicht in den antiken Status des Solisten oder Duos zurückverfallen, dann brauchen wir ihren Klangteppich, gewebt aus Tönen "in den unteren Regionen der Tonleiter", um ein Wort von Harry aus der Rubrik "Wer ist eigentlich Allegria?" zu gebrauchen. Ohne sie drohen wir einzubrechen oder aber jedenfalls kalte Füße zu bekommen.

Und letztlich ist es ja doch nicht ganz so schlimm. Denn wenn sie mal gut drauf sind (und "unserer" ist insoweit meistens gut drauf), d.h. wenn es ihnen sogar gelingt, den so gewebten Teppich auch noch schweben zu lassen, dann ist eigentlich alles gut, dann sind wir mitten in 1001 Nacht und fliegen gemeinsam zu neuen Abenteuern - vorausgesetzt, es sitzt jemand, der sechs Saiten spielt, am Mixer und bewacht mit Argusaugen den Volume-Regler mit dem Klebestreifen, wo drauf steht "Cheesy", "Eggy", "Meaty" oder wie die Spezies Bassist sich sonst noch nennen mag; was im übrigen wieder einer näheren Ursachenanalyse bedürfte und womit ich wiederum eigentlich beim Ausgangspunkt angelangt bin...

Kurt, April 2001

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